Steinschwitzbad – Eigenschaften, Wirkungen, Kauftipps

Steinschwitzbad
Bildquelle: Davizro Photography / Shutterstock.com

Ein Steinschwitzbad ist nichts anderes als ein Luftbad, bei dem die Luft und die Körper der Badenden durch heiße Steine aufgeheizt wird. Bereits in der Steinzeit war diese Form des wohltuenden Warmluftbades bekannt. Die ostasiatischen Völker brachten das Kulturgut über die Landbrücke (die heutige Beringstraße) nach Nordamerika. Von dort breitete sich das gesunde Schwitzbad langsam Richtung Südamerika aus. Die Eskimos nutzen das Steinschwitzbad noch heute. Auch bei den Indianern ist es bekannt.

Das Steinschwitzbad fand von Asien seinen Weg in westliche Richtung und etablierte sich vor 2000 Jahren im europäischen Raum. Unter dem Begriff „Badestube“ hielt es Einzug in die Neuzeit und es ist heute als Sauna bekannt. Das Steinschwitzbad ist dementsprechend der Ursprung jeglicher Bäderform einer Sauna, wie wir sie heute kennen.

Steinschwitzbäder gibt es nicht so oft und es ist eine kleine Attraktion, wenn man eines findet. Gelegentlich betreiben öffentliche oder private Bäder oder Thermen ein Steinschwitzbad bzw. eine Badestube und stellen diese Urform des Schwitzbades den Gästen zur Verfügung.

Für wen sich ein Steinschwitzbad eignet

Das Steinschwitzbad bzw. die Badestube ist für Menschen mit Rückenbeschwerden oder rheumatischen Gelenken eine wahre Wohltat. Doch auch gesunde Personen jeden Alters fühlen sich in einem Steinschwitzbad wohl. Für Schwangere, Senioren, Kinder, Teenager und durchtrainierte Sportler sind Steinschwitzbäder ebenso geeignet.

Bauweise eines Steinschwitzbades

Ein Steinschwitzbad besteht aus natürlichen Stoffen, in allererster Linie aus Stein. Traditionell ist es halb in den Boden eingelassen und mit einem Steingewölbe versehen. Die Steine sind mit natürlichen Materialien wie Lehm verbunden und auch damit verputzt. Die Seiten sind mit Erde angehäuft, manchmal wird der Erdboden sogar über das gesamte Gewölbe gezogen und bepflanzt. Insgesamt ergibt sich dadurch ein ausgesprochen angenehmes, feuchteregulierendes Klima im Steinschwitzbad.

Innerhalb des Gewölbes ist eine natürliche Lüftung gegeben, so dass ständig frische Luft ins Innere gelangt. Das ist besonders wichtig beim Steinschwitzbad. Auch die Liegeflächen sind aus Stein oder vergleichbaren Materialien wie Fliesen oder Steinwerkstoff gefertigt. Sie werden über ein Holzfeuer und den damit in Verbindung stehenden Warmluftschächten auf rund 45°C bis 55°C aufgeheizt. Die erzeugte Wärme ist einzigartig. Je nach Region, in der das Steinschwitzbad steht, können die Liegeflächen aus Sandstein oder Granit gefertigt sein – es kommt auf die Bodenschätze vor Ort und den Gestaltungswillen des Betreibers an.

Wirkungen und Funktionsweise eines Steinschwitzbades

Im Steinschwitzbad wirkt die einzigartige Wärme aktivierend und stärkend. Sie geht von den erwärmten Steinliegeflächen in den Körper über. Die Wärme löst verspannte Muskeln und mildert krampfartige Schmerzen auf natürliche Weise – eine fast schon therapeutische Wirkung.

Personen, die chronisch unter rheumatischen Beschwerden oder Rückenschmerzen leiden, wissen die milde Wärme nun zu schätzen. Die Selbstheilungskräfte werden aktiviert und der Organismus ausbalanciert. Je nachdem, wie die Position des Körpers auf der Liegefläche ist, nimmt dieser die Wärme individuell auf. In der Bauchlage wird die Vorderseite erwärmt, so dass zum Beispiel Menstruationsbeschwerden oder Unterleibskrämpfe wirksam aufgelöst werden können. In Rückenlage wird entsprechend der Rücken erwärmt und die tief eindringende Wärme entfaltet dort seine wohltuende Wirkung. Nutzer im Steinschwitzbad bestimmen selbstständig, welche Körperregion sie vorzugsweise erwärmen möchten.

Die Oberfläche im Steinschwitzbad ist wie erwähnt aus Stein oder aus Fliesen. Diese Oberflächen erwärmen sich im Vergleich zum Metall erheblich weniger. Sollte es im Steinschwitzbad allerdings dazu kommen, dass die Oberflächentemperatur über 55 °C liegt, empfiehlt es sich, einen Holzrost aufzulegen.

Technik in einem Steinschwitzbad

Technisch betrachtet ist ein Steinschwitzbad bzw. eine Badestube einfach konzipiert: Es gibt einen Verbrennraum, in dem trockenes Holz verfeuert wird. Über keramische Nachheizzüge wird die Wärme durch die Liegebänke geleitet. Dazu kommt zum Beispiel hitzebeständiges Material wie Schamott zum Einsatz. Die Liegebänke erwärmen sich und geben über ihre Oberfläche die Wärme in den Raum und an die Personen ab.

Im Prinzip wird also ein Feuer entfacht, dass seine Wärme über die Wärmeleitschächte an die Bänke abgibt. Die Wohlfühlwärme entwickelt sich meist dann, wenn die Steine durch und durch aufgeheizt sind und das Feuer verloschen ist. Ein Aufheizen der Liegeflächen nach dem Prinzip einer Fußbodenheizung oder einer elektrischen Heizdecke ist weniger effektiv und erzeugt nicht dieselbe Wirkung im menschlichen Körper. Außerdem hat diese Technik den Nachteil, dass die Ausrichtung der Moleküle in den Ladungsträgern unkontrolliert erfolgt. Die auf elektrischem Weg erzeugte Wärme kann es mit der natürlichen Wärme, entstanden aus einem echten Holzfeuer, nicht aufnehmen – das lehrt die Erfahrung

Vorteile und Nachteile eines Steinschwitzbades

VorteileNachteile
  • Personen jeden Alters und auch rücken- und gelenkkranke Menschen können ein Steinschwitzbad nehmen
  • Die Wärme dringt punktuell in den Körper ein
  • Die Badenden bestimmen selbstständig, welches Körperteil intensiv mit Wärme versorgt werden soll
  • Strahlungswärme löst Verspannungen
  • Gibt es nur noch sehr selten in öffentlichen Anlagen nun
  • lässt sich Zuhause kaum realisieren, weil es so gut wie keine Anbieter für Steinschwitzbäder gibt

Steinschwitzbad/Badestube im Vergleich mit einer finnischen Sauna

Steinschwitzbad/BadestubeSauna
WärmeentwicklungDie Temperatur liegt zwischen 45 und 55 °C und wird über die Bänke direkt an den Körper abgegeben.Die Temperatur bewegt sich zwischen 70 und 100 °C.
LuftfeuchtigkeitSie wird nicht aktiv beeinflusst und richtet sich nach der natürlichen Umgebung sowie der Besetzung im WärmeraumDurch Aufgüsse kann die Luftfeuchtigkeit massiv ansteigen. Ohne Aufgüsse kann sie extrem trocken sein (2-3 % Luftfeuchtigkeit)
WirkungLöst Verspannungen im Rücken, lindert GelenkschmerzenTrainiert Herz und Kreislauf, verfeinert das Hautbild und sorgt für die Stärkung der Abwehrkräfte.
ZielgruppeMenschen jeden Alters, insbesondere gut für Personen mit Verspannungen, Rheuma oder Rückenschmerzen geeignetGesunde Personen mit stabiler Gesamtkonstitution. In Abhängigkeit vom Gesundheitszustand (zum Beispiel Atemwegserkrankungen, Infektionen, schwaches Herz-Kreislaufsystem) muss individuell Rücksprache mit dem Arzt gehalten werden.

Preis für ein Steinschwitzbad

Steinschwitzbäder lassen sich nicht von der Stange kaufen. Man benötigt einen erfahrenen Ofenbauer, der ein individuelles Angebot macht. Am besten fragen Interessierte bei der Innung für Kachelofenbau nach und lassen sich einen Fachbetrieb in ihrer Nähe empfehlen.

Tipps für ein Steinschwitzbad

Wer zuhause einen klassischen Kachelofen sein Eigen nennt und diesen traditionell mit abgelagertem Holz betreibt, hat eine Ahnung, wie wohltuend diese Wärme wirkt. Da der Betrieb eines eigenen Steinschwitzbades in den heimischen 4 Wänden eher unwahrscheinlich ist, könnte die Anschaffung eines Kachelofens zumindest ansatzweise und vorzugsweise in den Wintermonaten für vergleichbare Wohlfühlmomente sorgen.

Interessantes Video zum Steinschwitzbad

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